Interviews mit 

la fidèle

La fidèle ist eigentlich recht medienscheu und steht ungern im Mittelpunkt. Im Mai 2022 gab sie - für alle überraschend  - ihr erstes Interview. Damaliger Anlass war ihr einjähriges Hafenjubiläum im Rostocker Stadthafen. Seither ist sie auf den Geschmack gekommen und stellt sich - nunmehr zum zweiten Mal  - den Fragen der segelinteressierten Öffentlichkeit. Dabei eröffnet sie teils sehr persönliche Einblicke in ihre bewegte Vergangenheit und das gegenwärtige Leben mit Silke und Matthias. Wir sind gespannt und bleiben dran!

Silke Mardorf
© Silke Mardorf

Zweites Interview mit la fidèle (10/2022)

Salut, la fidèle! 

Bonjour tout le monde! 

 

Wie war die Segelsaison 2022? 

Wunderbar bis wechselhaft! 

[beschwingt bis zögerlich] 

 

Das klingt durchwachsen. Möchte Sie etwas konkreter werden? 

Ich möchte! Die Saison bestand aus lauter kurzen Segelabenteuern. Ich beginne chronologisch: Zum Saisonbeginn haben wir Lolland umsegelt. Wir starteten ab Burgstaaken, also von meinem letztjährigen Winterlager auf Fehmarn, und brachen zu einem Inselhopping auf, von Langø nach Femø und so fort. Eine Insel hübscher als die andere! Wir durchquerten erstmals den Guldborgsund, alles in der Vorsaison. Manchmal war ich fast das einzige Boot im Hafen. Da war eine besondere Stimmung in den Häfen: eine Mischung aus Stille und Einsamkeit, gepaart mit vorfreudiger Aufbruchsstimmung. Die ganze Saison liegt da noch vor einem. Fantastique! 

 

Langø, Femø, Guldborg. Klingt aufregend! 

Aufregend? – nein, das trifft es nicht. Es war angenehm unaufgeregt. Auf Femø zum Beispiel: Mein Team hatte passenderweise weder eine Kreditkarte noch dänische Kronen dabei und der Hafenautomat akzeptierte keine EC-Karte. Sie sorgten sich sehr, weil sie nicht „falschparken“ wollten – oder wie sagt man? Jedenfalls: Als der Hafenmeister kam, bestürmte ihn Silké mit entschuldigenden Ausflüchten in hilflosem Dänglisch. Der Hafenmeister blieb vollkommen gelassen und antwortete – auf Deutsch natürlich:  „Also das Erste, was Sie hier lernen müssen ist: Wir sind eine Insel. Hier geht es langsam und entspannt zu. Wir Insulaner mögen keine Hektik. Und keinen Stress. Erst recht nicht in der Vorsaison. Herzlich Willkommen auf Femø. Haben Sie einen schönen Aufenthalt. Die Duschen sind hinten links.“ 

Das wäre in Deutschland kaum vorstellbar
Nein. Deutsche Hafenmeister sind meist sehr streng und verstehen kein Pardon, wenn es ums Liegegeld geht (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.) Einige sind hinter dem Liegegeld her, wie Boris Hermann hinter der nächsten Vendée Globe. 

 

[lacht] Schöne Metapher, Madame. Interessieren Sie sich neuerdings für Regatten? 

Oh ja. Mein Team segelte dieses Jahr erstmals bei einer Regatta mit. Aber der Reihenfolge nach… 

 

Gut. Eine Zwischenfrage: Konnten Sie, wie angekündigt, Ihr Dänisch verbessern, la fidèle? 

Nun ja, also …. 

[lange Pause] 

… also ehrlich gesagt,  … ich arbeite dran. 
Demnächst. 
Vielleicht im Herbst. 
Im Winter ganz bestimmt. 
Aber wissen Sie, diese grenznahen Däninnen und Dänen praktizieren ja so ein gepflegtes Weltbürgertum. Im Grunde wie ich. Nur, dass sie eben besser Dänisch sprechen. Und obendrein oft Deutsch. 

[verlegen] 

 

Themenwechsel [lacht]. Wie ging´s denn weiter? 

Im Sommer unternahmen wir lauter kleine Wochenendtörns, oft nach Dänemark rüber, nach Nysted, Hesnæs, Gedser. Oder nebenan nach Kühlungsborn natürlich. Und manches Wochenende segelten Matthieu und Silké nicht mit mir, sondern für www.sailingforyou.eu. Das heißt, sie ließen mich im Hafen stehen und wechselten auf eines der Nachbarboote, auf „Amalur“, „Harmony“ oder „Laralina“. 

[säuerlich] 

 

Oh! 

Ja, genau: Oh! 

 

Klingt, als wären Sie nicht amüsiert 

Sie sagen es! Ich finde das alles soso, lala.. Zwar bin ich ja prinzipiell einverstanden mit den Skippertörns auf Fremd- und Drittbooten. Aber bei aller Liebe: Das sollte nicht überhand nehmen! Und schließlich heiße ich la fidèle!  Mein Name ist wechselseitig Programm und keine Einbahnstraße. Weil mein Team es dieses Jahr ein bisschen übertrieb, verpasste ich den beiden einen petit Denkzettel. Quasi als Warnschuss! 

 

Ein Warnschuss? 

Jawohl. Ich habe wieder Pocken am Propeller angesetzt. Als Denkzettel an mein Team. Das kommt nämlich davon, wenn ich nicht regelmäßig gesegelt werde! Matthieu musste mich untenrum abtauchen und alles abkratzen. Zur Strafe! 

[feixt] 

 

Abtauchen? Ins Rostocker Hafenbecken? 

Genau da! 

 

Lecker! 

Sie sagen es! 

 

Sehr listig von Ihnen! 

Ja, ein wenig. 

[schelmisch] 

 

Themenwechsel: Ging Ihr Wunsch, Hiddensee zu ersegeln, in Erfüllung? 

Oui-oui-oui. Jaaaaaa! Im drückend warmen Monat August segelten wir gegen den Uhrzeigersinn rund Hiddensee, mit Zwischenstopps in Barhöft und Vitte. Endlich! Traumhafter, warmer Wind auf dem Hinweg, brühheißer, mückenreicher Aufenthalt auf der Sonneninsel und vollkommene Flaute auf dem Rückweg. Die Insel erinnerte mich übrigens entfernt an Spiekeroog. Der Schönheit, Vielfalt und Flora wegen. Flautenbedingt kam auf dem Rückweg übrigens 60 Seemeilen lang mein Motor zum Einsatz. Er lief und lief und lief und lief und lief und lief und lief und lief und lief und lief und lief und lief und … 

[la fidèle hat einen Sprung in der Platte] 

 

Pardon, Sie sprachen von Abenteuern? 

… und lief... 


Ja, genau. 

Zweimal (!) setzte mich mein Team auf Grund. Das erste Mal setzte mich Silké auf Grund, das zweite Mal Matthieu. Zum Glück war es jedes Mal ein sandiger Grund. 

 

Was war passiert? 

Beim ersten Mal blendete die Sonne, der Plotter war noch nicht an und Silké fuhr munter, aber blind drauf los. Das war beim Schnatermann / Warnemünde – und plötzlich: Rumms – sass ich fest! Sehr misslich. Ein freundliches Segelboot mit einem patenten Segler an Bord zog mich mit Leinen und Motorkraft aus dem Sand. 

 

Und beim zweiten Mal? 

Beim zweiten „Aufgrundlaufen“ vertraute Matthieu der Seekarte, in der Annahme, es sei backbord querab tief genug für mich. Und verließ absichtlich – sehr zielstrebig und siegesgewiss, aber Gott sei Dank zaghaft -  das Fahrwasser. Das war im Bodden bei Barhöft. Und zack, hing ich wieder mit meinem Kiel im Sand. 

 

Oh! Wie entkamen Sie denn dieser zweiten misslichen Lage? 

Ganz einfach! Silké verdrehte die Augen und rief: „Matthias, ab in den Bodden“. Matthieu musste ins lauwarme, hüfthohe Wasser springen und mich rausziehen. Mich, fünf Tonnen schwer. Er zog mich  - beinahe lässig - mit einer Leine aus dem Sand. Da dachte ich bei mir: Chapeau! 

[dankbar, ergriffen, stolz] 

 

Wie war eigentlich die Hansesail? 

Ganz schlechtes Thema. 

 

Was? Wieso? 

Ich war nur Zaungast im Hafen und segelte nicht mit. Matthieu hatte Rücken. Pfff 

[enttäuscht] 

 

Themenwechsel: Sie sprachen von einer Regatta… !? 

Ah oui. Das war superbe! Mein Team segelte beim „23. Sandeman-Cup“ 2022 mit, eine alljährlich vom Yachtclub „Warnow“ e.V. organisierten Regatta mit diesmal rund 60 teilnehmenden seegehenden Booten. Von 22- bis 45-Fuss war alles dabei.

 

Eine der größten Seeregatten im Ostseeraum... 

Sie sagen es. Start ist in Warnemünde, dann geht es über 40 Seemeilen bis nach Nysted / Dänemark. 

Unter „realen“ Regattabedingungen mit gültigen Wettfahrtregeln und ein paar zu umrundenden Tonnen vor Rødsand. Das Ganze gewertet nach Yardstick. Im Zielhaften gibt´s dann Freibier für alle und der Grill wird angeschmisssen. Am nächsten Tag segeln alle glücklich, einige verkatert, zurück. 

 

Wow! 

Ja, wow! Fast alle waren dabei, nur ich nicht! 

[halb beleidigt] 

 

??? 

Mein Team segelte die Regatta auf der „Amalur“, einer Delphia 40.3 im Auftrag von "segeln erleben". Mit fünf zwar unerfahrenen, aber begeisterten Gästen. Sie hatten sehr viel Spaß. 

 

Ohne Sie, Madame? Wie schade! 

Nun ja, wer weiß, wofür es gut war. Mein Rigg ist nicht mehr das Jüngste. Es waren herausfordernde Bedingungen: Windstärke 6, heftige Böen, enorme Wellen. Sogar kleine Wasserhosen, auch Tornados genannt, wurden gesichtet. Nicht alle Boote schafften es ins Ziel, brachen ab oder wurden disqualifiziert. Aber das Team war großartig und mit viel Spaß und Enthusiasmus dabei. Von der Regatta gibt´s ein tolles Video auf Youtube. Produziert von  Videomotionarts, einem der Gäste. Großartig! Schauen Sie mal unter dem Link .
 

Tolles Video, da waren Profis am Werk! 

Sie sagen es! 

 

La fidèle, erzählen Sie doch bitte, wie … 

Non non, ein andermal gerne. Pardon, aber jetzt brechen wir auf in Richtung Winterlager. 

[dampft in die Achterleine ein]

Verstehe! La fidèle, wir danken Ihnen für dieses Interview. 

Mange tak, ich danke Ihnen. Tusind tak. Merci et à la prochaine. 

[legt ab] 

 

Au revoir, ma chère 

Au revoir! Und besuchen Sie mich doch mal im Winterlager.
[segelt die Warnow flussabwärts davon] 


Sehr gerne, la fidèle. Dann auf bald. 

[hinterher rufend] 

 

© Silke Mardorf

Erstes Interview mit la fidèle (5/2022)

Dies ist eines der seltenen Interviews mit la fidèle, um genau zu sein: das Erste. La fidèle ist recht medienscheu und steht ungern im Mittelpunkt. Aus Anlass ihres ersten Hafenjubiläums im Rostocker Stadthafen macht sie eine Ausnahme und eröffnet Einblicke in ihre bewegte Vergangenheit und das gegenwärtige Leben mit Silke und Matthias. Am Ende scheint sie Gefallen an dem Gespräch zu finden und stellt weitere Interviews in Aussicht. Wir sind gespannt und bleiben dran!

Guten Tag, la fidèle!
Bonjour tout le monde!

Oh, Sie sprechen Französisch?
Bien sûr! Natürlich, was glauben Sie denn? Ich bin eine Französin! Eine Beneteau oceanis 321 um genau zu sein. Meine Bootsbauer kommen aus der Vendée, südlich der Loire, nördlich von La Rochelle an der französischen Atlantikküste. Aber als Kosmopolitin bemühe ich mich, Fremdsprachen zu lernen. Excusez meinen petit accent, s il vous plaît.

Aber nicht doch Madame, Ihr Akzent klingt ganz wunderbar. Darf ich fragen, welche Sprachen Sie als Kosmopolitin sonst noch sprechen?
Das dürfen Sie! Niederländisch und Englisch. Nun, Deutsch konnte ich schon ein wenig, bevor ich nach Deutschland kam. Ich segelte viele Jahre in den Niederlanden. Und die Niederländer sprechen ja meist sehr gut Deutsch. Da habe ich mir das eine oder andere abgelauscht. Naja und Englisch ist ja sowieso die allgemeine Verkehrssprache, zum Beispiel im internationalen Funkverkehr. Demnächst fange ich mit Dänisch an. Es zeichnet sich ab, dass ich das häufiger brauchen werde.

In den Niederlanden lernten Sie auch Matthias und Silke kennen, richtig? Bitte erzählen Sie uns doch von Ihrer ersten Begegnung mit den beiden.
Mais oui, sehr gern. Matthieu stand eines Tages auf meinem Cockpit und...
… Matthieu?
... ach ja! Pardon, das können Sie nicht wissen. Ich nenne die beiden insgeheim Matthieu und Silké. Das ist eine liebevolle Retourkutsche von mir. Denn mein ursprünglicher Name war ja "Lucky me", bis Matthieu und Silké mich in "la fidèle" umtauften. Da habe ich mir meinerseits auch eine kleine Namensänderung für die beiden erlaubt.
 [zwinkert]

... und gefällt Ihnen Ihr neuer Name?
Oh lala, wie angegossen. Nicht nur, weil es ein französischer Name ist. La fidèle heißt auf Deutsch "die Treue" oder auch "die Zuverlässige". Und ich muss sagen, das hat mich ein wenig stolz gemacht. Die beiden haben mich in meinem tiefsten Inneren erkannt und das schon nach kurzer Zeit. Aber die Treue basiert auf Gegenseitigkeit. Die beiden sind mir und ich bin ihnen treu, so ist es abgemacht. Ein wechselseitiger Pakt, wenn Sie so wollen. Wir sind inzwischen ein tolles Team geworden. Wissen Sie, wir Boote sind nämlich teamplayer.  ... pardon ich schweife ab. Wo waren wir stehen geblieben?

Wir waren beim Thema "Kennenlernen" ...
... ah oui, merci! Also eines Tages stand Matthieu auf meinem Cockpit. Das war im Frühjahr 2019. Ich lag im Hafen von Stavoren / Ijsselmeer herum und sollte verkauft werden. Also wartete ich auf meine neuen Eigner - wobei ich den Begriff "neues Team" eigentlich bevorzuge. Meine Ex-Eigner wandten sich von mir ab und einer anderen zu. Ich hieß damals noch "Lucky me", fühlte mich aber alles andere als lucky, denn meine Zukunft war ungewiss. Etliche Interessierte hatte ich schon kommen und gehen sehen und ich begann zunehmend, an mir selbst zu zweifeln. Und dann kam Matthieu, der mir dadurch auffiel, dass er viel kritischer war, als die andern. Er durchkämmte jeden Zentimeter von mir und ging dabei sehr systematisch vor. Ich dachte: Oh, le monsieur überlässt nichts dem Zufall! Jeden Schrank riss er auf, krabbelte tief in meine Backskiste hinab, roch an meiner Bilge und widmete sich intensiv dem moteur, prüfte die Segel und die Bordelektronik und ach ... .  Immer aufgeregter suchte er nach dem Haar in der Suppe. Aber den Gefallen tat ich ihm nicht.

Gab es denn Haare in der Suppe?
Ja schon, aber nicht viele. Sie müssen wissen, ich hatte ja schon 23 Jahre auf dem Buckel. Und da stellt sich die eine oder andere Alterserscheinung ein. Meine Fenster zum Beispiel. Alle undicht. Aber das merkten die beiden erst, als wir schon ein paar Monate zusammen waren. Auch das Unterwasserschiff war nur soso lala.
[beschämt]

Und was war mit Silke?
Ja nun, Silké kam etwas später hinzu. Sie war zunächst gar nicht geneigt, sich mit mir zu beschäftigen, weil die beiden an dem Tag schon drei oder vier andere Boote besichtigt hatten. Entsprechend lustlos näherte sie sich mir. An Deck schien sie noch recht unbeeindruckt. Aber dann, als sie den Salon betrat ... ich bin nämlich innendrin der Inbegriff der Gemütlichkeit müssen Sie wissen! Und dann das XXL-Bett in der Eignerkabine im Heck – oh lala! Jedenfalls verkündete sie irgendwann: Matthias, das ist es! Et voilà! C`est moi! Da bin ich: La fidèle!
[schmunzelt]


Sie segelten dann gemeinsam zwei Jahre in niederländischen Gefilden und siedelten 2021 nach Deutschland über. Seit etwas über einem Jahr ist der Rostocker Stadthafen Ihr Heimathafen. Wie geht es Ihnen hier?
Ich freue mich, dass Sie mich das fragen. Es gefällt mir gut im Rostocker Stadthafen. Hier ist immer was los! Vor allem die Hanse Sail letztes Jahr war ein tolles Erlebnis. Sowas kannte ich ja gar nicht von meinen früheren Häfen! Vier Tage die Welt zu Gast in "meinem" Hafen. Zum Beispiel die  J.R. Tolkien, ein Topsegelschoner aus Amsterdam oder die "Cuauhtemoc" ein mexikanisches Segelschulschiff. Nicht zu vergessen die "Greif" und , und, und ... .
Obgleich ich das Ijsselmeer auch manchmal vermisse…

Was genau vermissen Sie denn?
Die Plattbodenschiffe. Und die Deichschafe.
[träumt]

Gibt es auch Dinge, die Ihnen nicht so gut gefallen in Rostock?
Die Kalkröhrenwürmer! Die habe ich mir hier letztes Jahr im Hafenbecken zugezogen. Große Merde! Excusez-moi, aber das wühlt mich sehr auf! Sowas kannten wir am Ijsselmeer ja gar nicht. Mein Ruderblatt war übersät davon, auch Teile meines Rumpfs. Gegen Saisonende wurde ich immer langsamer, machte nur noch vier Knoten. Wie peinlich! Matthieu hat mich dann abgetaucht und das Gröbste abgekratzt. Im Winterlager wurde ich dann untenrum grundsaniert. Mal sehen, wie es diese Saison läuft.

À propos Winterlager – wie finden Sie das so als Boot? Oder soll ich "Schiff" zu Ihnen sagen? 
Ach wissen Sie, das sind doch alles Etiketten. Ich persönlich finde die Grenzen zwischen Boot und Schiff ja recht fließend. Verglichen mit einer Jolle bin ich ganz schön schiffig. Gemessen an den hochhaushohen Kreuzfahrtschiffen in Warnemünde bin ich ein winziges Freizeitboot. Es gibt Tage, da fühle ich mich wie ein Schiff. Auch wegen der breiten Hüften. Matthieu meint auch manchmal, ich sei ziemlich „schiffig“. Ich halte es lieber mit Søren Kierkegaard, der gesagt hat: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ 
Das Thema „Winterlager“ – das ist ein weites Meer und sprengt heute die Leinen. Wir segeln nämlich in Kürze nach Kühlungsborn. Lassen Sie uns unser Gespräch ein andermal fortsetzen, s`il vous plaît. 

[dampft in die Achterleine ein]

Sehr gern, Madame. Eine kurze Frage noch, wenn Sie erlauben? Wie sind Ihre Pläne für die nächsten Jahre?
Nun ja, die Ostsee ist für mich ein noch recht unbekanntes Revier. Meine Ex-Eigner waren mit mir in der Nord- und Waddenzee unterwegs. Ich möchte unbedingt mal nach Hiddensee und rund Rügen segeln und durch die dortigen Boddengewässer. Silké und Matthieu schwärmen oft davon. Da kann ich meine Stärken so richtig ausleben. Ich habe nämlich nur 1,30 m Tiefgang, müssen Sie wissen. In die schwedischen Schären zieht es mich auch. Ach, es gibt ja noch so viel zu erleben. Das Leben als Boot ist wunderbar.
[legt ab]

La fidèle! Wir danken Ihnen für dieses Interview. Merci und auf bald vielleicht? [hinterher rufend] 

Das Vergnügen war ganz auf meiner Seite. Au revoir et à bientôt j'espère.
[segelt flussabwärts davon] ...